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Author: Redaktion

Sigi‘s Pomologicum

Sigi‘s Pomologicum

Hier geht es um Pomologisches und verdiente Pomologen

Josef Löschnig

Obstbaupionier und Pomologe
1872-1949

Vorwort

Im Herbst 1987 war ich zu Besuch bei Löschnigs hochbetagter Tochter Caroline und seiner Enkelin Monika in Wien, um möglichst viel über diesen verdienstvollen Mann zu erfahren und biografisch brauchbare Materialien (Fotos etc.) einzusehen bzw. zu fotografieren. Aus Rücksichtnahme auf das hohe Alter der Frau verließ ich die Beiden bald wieder, um später noch einmal hinzukommen. Daraus wurde nichts mehr, teils weil die alte Dame bald darauf starb, teils weil ich mittlerweile aus Zeit-und anderen Gründen das Projekt, eine umfassende Geschichte der österreichischen Pomologie zu verfassen, ad acta gelegt hatte.

Den heuer stattfindenden 150. Geburtstag Löschnigs möchte ich nicht vorübergehen lassen, ohne Löschnigs Leben und seine Leistungen für den heimischen Obstbau im allgemeinen und für die Pomologie im speziellen in kurzen Worten zu würdigen.

Abb.1: Josef Löschnig um 1930
Abb.2: Josef Löschnig um 1940

Wo einst die Wiege stand

Josef Löschnig kam am 18.3. 1872 als Erstgeborener in Altendorf 17, Pfarrgemeinde St. Johann am Draufelde (šentjanž na Dravskem polju, heute Starše) zur Welt (Taufbucheintrag Joseph Leschnik). Diese Gemeinde gehörte bis 1918 zur Untersteiermark in Österreich, heute zu Slowenien. Sein Vater Franz Löschnig war Gutsverwalter der Graf Herberstein’schen Besitzungen in St. Johann am Draufelde. Seine Mutter Anna führte den Bauernhof der Familie. Zum elterlichen Besitz gehörte auch ein großer Obstgarten und man legte schon damals Wert auf Sortenkenntnisse. Es ist überliefert, dass die Kinder als Abschluss der Mahlzeiten nur dann das Obst essen durften, wenn sie die richtigen Sortennamen nennen konnten. Josef Löschnigs Schicksal schien nicht darin zu liegen, einmal den elterlichen Hof zu übernehmen. Schon als 11-jähriger half er seinem Vater bei den Kanzleiarbeiten. Er war für “Höheres” bestimmt.

Schul- und Wanderjahre

Mit 13 Jahren kam er nach Marburg (heute Maribor) und besuchte dort die Realschule. Darauf folgte die in der ganzen Monarchie wohl-bekannte steirische Landes-Ackerbauschule Grottenhof bei Graz. Seine landwirtschaftliche Praxis absolvierte er auf dem Graf Meran’schen Weingut Johannisberg bei Marburg, wo er von 1890-1892 arbeitete.

Nach freiwillig geleistetem Militärdienst beim 8. Husarenregiment wurde er 1894 vom Landesausschuss der Steiermark als Fach- und Wanderlehrer der Wein- und Obstbauschule Marburg zugeteilt. In dieser Tätigkeit konnte er die in ihm schlummernden Talente mehr und mehr zur Entfaltung bringen. Seinen Initiativen verdankte die Landwirtschaft in der Untersteiermark die massive Vermehrung der Obst- und Weingärten.

Gründung einer Familie und Übersiedlung nach Niederösterreich

Am 22.8.1897 heiratete er in seiner Heimatpfarre die ihm schon aus der Volksschulzeit bekannte Stephanie Hren. Sie war die Tochter von Anton Hren, Oberlehrer seines Heimatdorfes und dessen Ehefrau Karoline geb. Schwarz.
Am 21.1.1898 kam in Marburg Tochter Caroline auf die Welt. Noch im selben Jahr folgte er der Berufung zum Fachlehrer an die Landes-Wein- und Obstbauschule in Krems an der Donau.


Abb. 3: Ehepaar mit Tochter Caroline, Krems 1901

Abb. 4: Josef Löschnig, Krems 1901

Die junge Familie übersiedelte nach Niederösterreich und ließ sich in Stein an der Donau, einem Nachbardorf von Krems, nieder. Eine wichtige tragende Säule seiner Existenz war seine Frau Caroline. Sie war es, die den immer rastlosen Ehegatten in seiner schier unerschöpflichen Schaffenskraft unterstützte. Am 20.10. 1903 kam in Stein an der Donau Tochter Claudia Maria Justina Margaretha auf die Welt.

Berufliche Profilierung

Im Jahre 1905 wurde Löschnig Landes-Obstbauinspektor für Niederösterreich mit Sitz in Korneuburg. Von Korneuburg aus leitete er eine neue Epoche im niederösterreichischen Obstbau ein. Es nahm

nicht nur das Obstbaumschulwesen einen großen Aufschwung sondern es wurden viele Muster- Obstanlagen und auch Muster-Mostereien errichtet. Diese dienten nicht zuletzt in besonderer Weise Schulungszwecken. Fast überall im Lande wurden Kurse zur Hebung der Obstproduktion und Obstverarbeitung (Most, Saft- und Schnapsproduktion) abgehalten.

Es dauerte nicht lange und Löschnig wurde als Obstbau-Oberinspektor in den niederösterreichischen Landeskulturrat (Vorgänger der Landwirtschaftskammer) mit Sitz in Wien berufen, wo er einen größeren Mitarbeiterstab zur Verfügung hatte und dadurch seine obstbaulichen Vorhaben beschleunigen und intensivieren konnte. Als 1922 die Landwirtschaftskammer für Niederösterreich den Landeskulturrat als Vertretung der landwirtschaftlichen Interessen ablöste erhielt Löschnig als Wein-, Obst- und Gartenbau-Direktor ein eigenes Referat. 1923 wurde er zum Regierungsrat und 1925 zum Hofrat ernannt. Er übte diese Funktion bis zu seiner Pensionierung Ende 1938 aus.

Gründung der Österreichischen Obstbau- und Pomologen-Gesellschaft

Löschnig erlebte im Jahre 1908 mit großem Bedauern das Ende des seit 1880 bestehenden Österreichischen Pomologenvereins. Der Ruf nach einer Nachfolgeorganisation, die zwar weiterhin ein Sammelbecken für die österreichischen Pomologen sein, aber in vermehrtem Maße auch den Interessen des Erwerbsobstbaues dienen sollte, wurde stärker.
Am 10.3. 1911 fand in Wien die konstituierende Versammlung der Österreichischen Obstbau- und Pomologen-Gesellschaft statt. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Wilhelm Lauche (Neffe des gleichnamigen Pomologen), Direktor der Höheren Obst- und Gartenbauschule Eisgrub (heute Lednice in Tschechien), gewählt. Geschäftsleiter wurde Josef Löschnig. Zur Lösung der Aufgaben der Gesellschaft wurden 12 Sektionen festgelegt. Aufgaben der 4. Sektion “Spezielle Pomologie” waren u.a.: Sammlung der Normalsortimente der einzelnen Teile der Monarchie, Registrierung der zur Anpflanzung empfohlenen Obstsorten, Studien über die wertvollsten Handelssorten, Feststellung der in einzelnen Gebieten verbreiteten Mostobst- und Lokalsorten bzw. Ermittlung ihrer Ansprüche und Brauchbarkeit. Josef Löschnig war stellvertretender Obmann dieser Sektion

Mostbirnen-Schau 1912 in Linz

Vom 23. – 25. September 1912 fand in Linz eine große Mostbirnen-Schau statt. Organisiert von der Österreichischen Obstbau- und Pomologen-Gesellschaft und dem Landeskulturrat Oberösterreich wurden an diesen Tagen 1520 Sortenmuster aus Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark, Vorarlberg, Tirol, Krain (Untersteiermark, heute Slowenien), Küstenland (heute Kroatien), Württemberg, Bayern und Schweiz ausgestellt und von einem Pomologenteam geprüft. 108 Sorten davon wurden von Pomologen beschrieben und diese Beschreibungen wurden 1913 im Buch “Die Mostbirnen”, bearbeitet von Josef Löschnig und herausgegeben von der Österr. Obstbau- und Pomologen-Gesellschaft, veröffentlicht.

Erster Weltkrieg

Löschnig war ab 1914 auf verschiedenen Kriegschauplätzen (Galizien, Italien etc.) im Einsatz. Er war Verbindungsoffizier im Grazer Landwehr-Infanterieregiment Nr.3. Für seine Kriegsleistungen wurde er mehrfach ausgezeichnet (Eiserner Kronenorden III. Klasse, Militärverdienstkreuz III. Klasse etc.). Im Jahre 1917 erschien sein Kriegsbuch “Wir greifen an”, in dem er die Tiroler Offensive seines Regiments schilderte.

Im Juli 1917 wurde er von der Front abberufen, weil man in der Heimat dringend tüchtige Leute für die Versorgung des Heeres und der Not leidenden Zivilbevölkerung brauchte. In Münchendorf wurde eine Obstverwertungsfabrik errichtet, deren Leitung er übernahm und wo er fast Tag und Nacht arbeitete.

Tätigkeiten und Ereignisse nach dem Kriege

Im Jahre 1919 bis zur Errichtung einer eigenen Lehrkanzel für Obstbau unterrichtete er als Honorardozent an der Hochschule für Bodenkultur Wien. Ab 1922 war er zwar hauptberuflich in der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer tätig, übte aber viele hohe Funktionen in Verbänden, Gesellschaften und Vereinen in den Bereichen Obstbau, Weinbau, Gartenbau und Pflanzenschutz aus.

Abb. 5: Stephanie und Josef Löschnig um 1925

1926 wurde er zum Präsidenten des Landes-Obstbauvereins für Niederösterreich gewählt.
Im März 1927 kam es auf Anregung Löschnigs zur Gründung der “Gemeinschaft österreichischer Obstzüchter” ( Vorgänger-Organisation des späteren Österreichischen Bundesobstbauverbandes). Zweck dieser Gemeinschaft, die sich aus Vertretern der Landesobstbauvereine, der landwirtschaftlichen Hauptkörperschaften (Landeskulturräte, Landes-Landwirtschaftskammern), der Obstbau-Fachorgane des öffentlichen Dienstes und der Hauptorgansisation der Baumschulbesitzer zusammensetzte, war die Beratung gemeinsamer obstbaulicher Angelegenheiten im Rahmen von Tagungen und ein einheitliches Vorgehen in allen obstbaulichen Belangen gegenüber den Bundesbehörden. Löschnig wurde zum Vorsitzenden dieser Gemeinschaft gewählt. Die Verhandlungsberichte der jährlichen Tagungen wurden in der Schrift “Zeitgemäße Obstbaufragen” veröffentlicht.
Im Jahre 1930 feierte der Landes-Obstbauverein für Niederösterreich sein 50-jähriges Jubiläum. Auf Anregung von Präsident Löschnig wurde eine umfangreiche Festschrift mit interessanten Artikeln über die Vereinsgeschichte, Geschichte des österreichischen Obstbaues, seltene österreichische Obstsorten etc. veröffentlicht.

Am 18. März 1932 wurde Löschnigs 60. Geburtstag öffentlich gefeiert. In Anerkennung seiner obstbaulichen Leistungen wurden ihm aus diesem Anlass 3 Obstsorten gewidmet: “Hofrat Löschnig” (ein Sommerapfel, gewidmet von Josef Petz in Steyr); “Löschnig-Renette” (oststeirische Lokalsorte, gewidmet vom Landes-Obst- und Weinbauverein Steiermark) und die Zwetschkensorte “Hofrat Löschnig” (ein Sämling der Landesobstanlage Amstetten, gewidmet von Anton Kroneder). Weiters wurde eine ” Löschnig-Stiftung” zur Unterstützung des studierenden fachlichen Nachwuchses ins

Leben gerufen und für besondere Verdienste im Obst- und Weinbau wurde von der niederösterreichischen Landes-Landwirtschaftskammer die “Josef-Löschnig-Medaille” vergeben.

Im Herbst 1933 begab sich Löschnig mit einem Fachkollegen auf eine längere Reise nach Nordamerika, um sich dort mit Obst- und Weinbauexperten zu treffen, viele Betriebe und nebenbei auch ein paar Großstädte (New York, Washington, Weltausstellung Chicago etc.) zu besuchen. Einen umfangreichen Reisebericht veröffentlichte er 1934 in seinem Buch “40 Tage Nordamerika”.

Hofrat Löschnig führte ab 1939 kein ruhiges Pensionistenleben, ganz im Gegenteil. Neben Wahrnehmung verschiedener Funktionen in Vereinen und Gesellschaften, widmete er sein restliches Leben primär der Pomologie und dem Schreiben von vielen obstbaulichen Fachbüchern.

Er besuchte viele Obstausstellungen in ganz Österreich. Als exzellenter Sortenexperte war er überall gefragt. Sein größtes Projekt war die Herausgabe einer außerordentlich umfangreichen österreichischen Pomologie mit etwa 1000 Sorten. Er fokusierte sich primär auf die Lokalsorten, die er in ganz Österreich aufspürte und dann in seiner Villa pomologisch bearbeitete. Er hatte von Jugend an eine besondere Gabe zum Zeichnen und so finden sich heute im Löschnig-Archiv in Klosterneuburg viele Bände mit seinen Obstsortenbeschreibungen und den meisterhaft ausgeführten kolorierten pomologischen Zeichnungen.

ARGE Streuobst Abb. 6 und 7.: Geistapfel und Ambrosia Aprikose; Löschnigarchiv HBLA Wein- und Obstbau Klosterneuburg

Zur Drucklegung dieses pomologischen Mammutwerkes kam es leider nicht mehr. In den Jahren kurz nach 1945 hatte man andere Prioritäten. Seine unvollendete Arbeit über die Marillen (Aprikosen) wurde erst nach seinem Tode ergänzt und veröffentlicht.

Das Ende

Löschnigs enorme Schaffenskraft war bis zu seinem plötzlichen Tode ungebrochen.
Er starb am 23. Okt. 1949 kurz vor Mitternacht in seiner Villa unerwartet an einem Herzinfarkt. Er wurde in der Aufbahrungshalle des Friedhofs Gersthof verabschiedet und anschließend in der Familiengruft in Münchendorf bestattet.

Er hinterließ seine Gattin Stephanie, die bis zu ihrem Tod am 6.9.1959 in der Villa lebte; weiters die Töchter Caroline( 1898-1989) und Claudia (1903-1953) sowie die Enkelkinder Aglaja Stephanie (1921- 1999) und Monika Elisabeth (1932-2007). Sein 1923 geborener Enkelsohn Hermann Josef war bereits 1942 verstorben.

Mit Löschnig starb wohl Österreichs bedeutendster Obst- und Weinbauexperte und Pomologe der 1. Hälfte des 20. Jhdts., der im In-und Ausland höchste Anerkennung fand. Er war sowohl ein Mann der Praxis als auch der Wissenschaft.

Was blieb

In unserer schnelllebigen Zeit gehen selbst die Erinnerungen an sehr prominente Vertreter der Wissenschaft in mehr oder wenig kurzer Zeit wieder verloren. Was immer bleibt sind die Publikationen (Bücher, Fachartikel etc.). So lebt auch Löschnig in seinen literarischen Werken weiter. Alle jene, die sich, aus welchen Gründen auch immer, mit der Geschichte des österreichischen Obstbaues, Weinbaues und der Pomologie beschäftigen, werden auch in Zukunft immer wieder auf den Namen Löschnig stoßen.

Seine wichtigsten Werke


“Praktische Anleitung zum rationellen Betriebe des Obstbaues”:
1901 herausgegeben vom Landes-Obstbauverein für Niederösterreich. Diese Schrift erreichte, bis 1946 stark erweitert, insgesamt 7 Auflagen und war jahrzehntelang das Standardwerk für angehende bzw. etablierte Obstbauern und Kleingärtner und festigte Löschnigs Ruf als anerkannten Obstbauexperten im In- und Ausland. Neben dem Textteil enthielt es noch 5 schöne lithographierte Farbtafeln mit Schädlingen und Krankheiten des Obstbaues.

“Der Obstzüchter, Zeitschrift für die Gesamt-Interessen des Obstbaues”

1903 erstmals von Löschnig herausgegeben. Enthielt auch Berichte der österreichischen Landes- Obstbauverbände. 1919 aufgegangen in der “Zeitschrift für Garten- und Obstbau der Österreichischen Gartenbaugesellschaft und 1922 in der der Zeitschrift “Die Landwirtschaft” der niederösterreichischen Landes-Landwirtschaftskammer auf.

“Die Mostbirnen”

Diese 1913 herausgegebene Pomologie stellt für all jene, die sich eingehender mit Mostbirnen beschäftigen, so etwas wie eine österreichische Mostbirnenbibel dar. So wichtig dieses Standardwerk für uns Pomologen auch immer ist, so soll nicht unerwähnt bleiben, dass das in Linz damals tätige Pomologenteam in nicht wenigen Fällen bei der Neu- und Umbenennung von Lokalsorten unglücklich bis unverständlich gehandelt hat, was aus den in meinem Besitz befindlichen Protokollen hervorgeht.

“Empfehlenswerte Obstsorten” – Ein Meisterwerk

Ab 1912 gab der Landes-Obstbauverein für Niederösterreich in Wien in Teil-Lieferungen die Pomologie “Empfehlenswerte Obstsorten” heraus. Dargestellt wurden darin die so genannten Normalsortimente für Niederösterreich, quasi als Empfehlung und Orientierung für die Obstbauern und Baumschulen. Als Autoren sind genannt: Josef Löschnig, Hugo M. Müller (Präsident des Landes- Obstbauvereins für Niederösterreich)) und Heinrich Pfeiffer (Obstbau-Professor an der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg).

Abb. 8: Sommer-Parmäne

Diese sehr wertvolle Pomologie enthält die Frucht- und Baumbeschreibungen von 40 Apfelsorten, 52 Birnensorten (inklusive Mostbirnsorten) und 12 Kirschensorten. Die sehr schönen und sortentypischen Farb-Lithografien zeigen Frucht, Blüte und Blatt.

“Österreichs Frühbirnensorten”

Früh reifende Birnensorten kommen in den bäuerlichen Obstgärten und in den Hausgärten meist sehr selten vor. Klarerweise sind sie auch nicht bei den in den Monaten September und Oktober stattfindenden Obstausstellungen präsent und so freut man sich als Pomologe natürlich, wenn sich eine kleine Schrift dieser Sortengruppe widmet. Das 32-seitige Heft enthält die Beschreibungen und schwarz-weißen Abbildungen von 22 Sorten wie z.B. Wiener Kirschbirne, Sparbirne, Römische Schmalzbirne, Zwiebotzenbirne, Salzburger Birne etc.

“Die Marille (Aprikose) und ihre Kultur”

Diese sehr umfangreich Studie über die Marille einschließlich ihrer Sorten konnte Löschnig nicht mehr ganz vollenden.

Abb. 9: Die Marille (Aprikose)
ARGE Streuobst Abb. 10: Die Marille (Aprikose): Nancy Marille

Nach seinem Tode gelang es Dr. Fritz Passecker, dieses Werk zu bearbeiten und 1954 zu veröffentlichen. Es enthält u.a. die Beschreibungen von an die 100 Sorten und einige Farbtafeln.

Zeugnisse der Anerkennung

Löschnig erhielt im Laufe seines schaffensreichen Lebens viele Auszeichnungen. Er wurde von ca. 20 Vereinen (Obst-, Wein-und Gartenbau, Landwirtschaft) zum Ehrenmitglied ernannt.
Verliehene Medaillen und Plaketten: Babo-Medaille (Hauptverband der Weinbautreibenden Österreichs); Hugo M. Müller-Medaille (Landes-Obstbauverein Niederösterreich); Erzherzog-Johann- Medaille (Landes-Obstbauverein Steiermark); Liegel-Plakette (Österr. Obstbau- und Pomologengesellschaft); Protektor-Medaille und Rottenberger-Plakette (Verein der Gärtner und Gartenfreunde Hietzing und Umgebung), Josef-Löschnig-Medaille (Niederösterreichische Landwirtschaftskammer)

Abb. 11 und 12: Josef-Löschnig-Medaille
ARGE Streuobst

Im Jahre 1972 wurde im Wiener Stadtteil Donaustadt (22. Bezirk) eine Straße nach ihm benannt. In St. Pölten gibt es einen Löschnigweg.

Die Löschnig-Renette

Die Löschnig 1932 gewidmeten Obstsorten scheinen bis auf die Löschnig-Renette verschollen zu sein. 1948 wurde ihm zu Ehren die “Schafberg-Marille” in “Löschnig-Marille” umbenannt.

Bei der “Löschnig-Renette” handelt es sich eigentlich um die oststeirische Sorte “Lambrechter”, die 1932 umbenannt wurde. Es ist dies ein eher kleinfruchtiger, schön gestreifter Apfel von durchschnittlichem Geschmack und langer Haltbarkeit. Die Sorte ist heute sehr selten geworden.

Abb. 13: Widmung Löschnig-Renette

Schlussbetrachtung

Löschnig war ein äußerst disziplinierter, zielorientierter, kreativer und fleißiger Mensch; nur so war es möglich, dass aus einem Bauernkind des steirischen Unterlandes eine in Fachkreisen hochgeehrte Persönlichkeit wurde.
Ihm gebührt selbst heute noch Respekt und Anerkennung.
Ich möchte diese Kurzbiografie mit jenen Worten schließen, die Löschnig gerne bei Begräbnissen von Fachkollegen gesagt hat:

” Was vergangen, kehrt nicht wieder; aber ging es leuchtend nieder, leuchtet’s lange noch zurück”

Literatur (Auszug)

Anonym: Verhandlungen der konstituierenden Versammlung und ersten Tagung der Österr.
Obstbau- und Pomologen-Gesellschaft, Wien 1911
Anonym: Festschrift Landes-Obstbauverein für Niederösterreich 1880-1930, Agrarverlag Wien 1930
Löschnig, J.: Praktische Anleitung zum rationellen Betriebe des Obstbaues, 1. Auflage, 150 S., Landes- Obstbauverein für Niederösterreich, Wien 1901; 7. Auflage, 560 S. Verlag Hartleben Wien-Leipzig 1946
Löschnig, J.: Der Obstzüchter, Jg 1, 192 S., Krems 1903

Löschnig, J.: Der Frischverkauf des Obstes, 52 S., Verlag Ulmer, Stuttgart 1907
Löschnig, J.: Die Obstweinbereitung, 160 S., Verlag Hartleben Wien -Leipzig 1911

Löschnig, J., Müller, H.M. und Pfeiffer, H.: Empfehlenswerte Obstsorten, 210 S., Verlag Frick, Wien 1912 ff
Löschnig J. et al.: Die Mostbirnen, 227 S., Österr. Obstbau- und Pomologen-Gesellschaft, Verlag Sperl Wien 1913
Löschnig, J.: Wir greifen an! Die Tiroler Offensive des steirischen K.K. Landwehrinfanterieregiments Graz Nr. 3; Verlag Styria, Graz 1917

Löschnig, J.: Das Einkochen des Obstes im Haushalte; 145 S., Hartleben Wien-Leipzig 1920
Löschnig, J.: Österreichs Frühbirnensorten, 32 S., Niederösterr. Landes-Landwirtschaftskammer, Wien 1927 Löschnig, J.: 40 Tage Nordamerika, 208 S., Hauptverband der Weinbautreibenden Österreichs und Gemeinschaft österr. Obstzüchter , Wien 1934
Löschnig, J. und Kroneder, A.: Bestimmungsschlüssel für Äpfelsorten, 176 S., Scholle-Verlag Wien, um 1935 Löschnig, J. u. Passecker, F.: Die Marille (Aprikose) und ihre Kultur, Öst. Agrarverlag, Wien 1954
Löschnig, J.: Die Fruchtbranntweine und ihre Bereitung, 80 S., Scholle-Verlag Wien 1946
Löschnig, J.: Die Bewertung der Obstgehölze, 115 S., Verlag Frick, Wien 1947
Löschnig, J.: Anleitung zur Herstellung und Behandlung der Obstweine (Gärmoste) und Süßmoste, 64 S., Scholle-Verlag Wien 1947
Löschnig, J.: Verbesserung der Obstsorten; 88 S.; Scholle-Verlag Wien 1948
Moisl, F.u. Reisch R.: Löschnig, Festschrift, 30 S., Löschnig-Stiftung, Wien 1932

Abb. 14: Holzschnitt von R. Köhl

Bildnachweise:

Alle Abbildungen basieren auf Fotos des Autors. Die Originalvorlagen stammen von folgenden Quellen:

Abb. 1,2,3,4,5,13,14: Familienbesitz Nachkommen Löschnig
Abb. 6,7: Löschnig-Archiv von BA und HBLA für Wein- und Obstbau Klosterneuburg
Abb.8: Löschnig et al.: Empfehlenswerte Obstsorten, Tafel 30

Abb.9,10: Löschnig- Passecker: Die Marille (Aprikose) und ihre Kultur

Abb.11,12: Pomologische Sammlung Dr. Bernkopf


Autor: Dr. Siegfried Bernkopf, ARGE Streuobst: siegfried.bernkopf@aon.at

Buchbesprechung

Buchbesprechung

„Obstbäume verstehen.

Was alle Gärtnerinnen und Gärtner wissen sollten“

von Annekathrin Schmid

Die Autorin war eines Tages mit dem Besitz einer Streuobstwiese konfrontiert – allerdings ein einfach verständliches Fachbuch über die Funktionsweise eines Obstbaumes war gar nicht so leicht zu finden. Was bleibt dann übrig –  natürlich recherchieren, viel lernen und dann für alle anderen selbst ein Buch schreiben.

„Obstbäume verstehen“ versucht die Grundlagen über Obstbäume leicht verständlich, gut recherchiert und mit guten ergänzenden Bildern einfach aber möglichst vollständig darzustellen.

Wie funktioniert denn das mit der Photosynthese, warum werden die Blätter braun, was bedeutet guter Pollen, schlechter Pollen, warum wird aus dem Kern eines Apfels nicht wieder die selbe Sorte, warum fallen im Juni viele Birnen vom Baum?

Diese und noch viele andere Fragen werden anhand von zahlreichen Illustrationen auf jeweils 2 Seiten beantwortet, die Leser:innen werden mit den botanischen Grundlagen von Obstbäumen vertraut gemacht. Die unterschiedlichsten Themenbereiche wie Aufbau der Rinde, Knospen und Blüte, das Liebesleben der Obstbäume bis hin zur Sortenentstehung – sozusagen die Hintergründe des Entstehens, des Wachsens und aller anderer Abläufe im Leben von Obstbäumen – werden kurz, knackig und spannend erklärt.

Kurz gefasst ein auf jeden Fall empfehlenswertes Buch mit verständlich aufbereitetem, theoretischen Wissen für alle Obstbaumbesitzer:innen.
Sowohl für Laien als auch für Profis ist im Buch immer etwas zu finden.

Annekathrin Schmid
„Obstbäume verstehen. Was alle Gärtnerinnen und Gärtner wissen sollten“
128 Seiten, 165 Fotos, 33 Illustrationen
Haupt Verlag 2021
ISBN 978-3-258-08218-9.

Autor: Martin Engelmeier

Werden Sie Mitglied der ARGE Streuobst!

Werden Sie Mitglied der ARGE Streuobst!

Streuobstbestände als bedeutsamer Bestandteil unserer Kulturlandschaft haben mittlerweile eine mannigfaltige Bedeutung für Ökologie und Biodiversität, Wertschöpfung durch Nutzung, als Landschaftselemente, für den Tourismus und regionale Identität, Produkte mit herausragenden Eigenschaften und vieles mehr erlangt.

Seit dem Jahr 2000 kümmert sich die ARGE Streuobst österreichweit um die Erhaltung und Erneuerung von Streuostbeständen. Eine Reihe namhafter Wissenschaftler und Proponenten verschiedener Institutionen sowie private Interessenten arbeiten intensiv an der Erreichung der Vereinsziele. Die ARGE Streuobst ist als gemeinnütziger Verein aufgebaut, arbeitet ehrenamtlich und finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Projektförderungen.

Folgende Aktivitäten zeigen bereits Erfolge und geben Aussicht auf Förderung des Streuobstbaus und der Erhaltung obstgenetischer Ressourcen:

  • Durchführung von Veranstaltungen (Seminare, Workshops, Symposien, Ausstellungen u.a.), und Mitwirkung in Forschungsprojekten (wie z.B. Erhebungen von Obstsorten und –beständen).
  • Herausgabe von Publikationen wie das Streuobst-Info als Newsletter der ARGE-Streuobst.
  • Einrichtung von Arbeitsgruppen, Erstellung von Positionspapieren zum Streuobstbau und zur Erhaltung obstgenetischer Ressourcen, dadurch Parteienstellung bei streuobstrelevanten Fragen.

Obwohl die Organisation mit sehr schlanken Strukturen äußerst kostensparend tätig ist, sind für die Erstellung von Positionspapieren, Herstellung von Schulungsunterlagen und Drucksorten zu Streuobstsorten eine finanzielle Basis notwendig, die vor allem durch Mitgliedsbeiträge erreicht werden soll. Wenn Sie die Anliegen der ARGE Streuobst unterstützen wollen, freuen wir uns über Ihren Beitritt!

Arten der Mitgliedschaft:

Einzelperson                            € 25.- jährlich

Organisation, Verein etc.           € 70.-/100.-/150 je nach Anzahl der Mitglieder

Außerordentliche Mitglieder      Unterstützung der Vereinsarbeit durch Spenden

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Umweltdachverband sucht die besten Streuobst-Projekte Österreichs

Umweltdachverband sucht die besten Streuobst-Projekte Österreichs

Um auf die Bedeutung der selten gewordenen Streuobstbestände aufmerksam zu machen, ruft der Umweltdachverband zum österreichweiten Wettbewerb auf: Gesucht werden die zehn innovativsten Streuobst-Projekte und Initiativen, die sich durch kreislauforientierte Bewirtschaftung auszeichnen.

Einreichung noch bis zum 31.12.2021

Header Streuobstwettbewerb web

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Dank ihres viel­fältigen Nahrungs- und Strukturangebots bieten sie Lebensraum für mehr als 5.000 Tier- und Pflanzen­arten, darunter zahlreiche gefährdete Arten. Als Kohlenstoffspei­cher und regionale Nahrungsmittelversorger leisten sie zudem einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz. Um auf die Bedeutung der selten gewordenen Streuobstbestände für Mensch und Natur aufmerksam zu machen und die Leistung aller Akteur*innen entlang ihrer Wertschöpfungskette vor den Vorhang zu bringen, ruft der Umweltdachverband im Rahmen seines Projektes „Streuobst in Österreich – gemeinsam Vielfalt fördern und Inwertsetzung steigern“ zum österreichweiten Streuobst-Wettbewerb auf: Gesucht werden innovative Streuobst-Projekte und Initiativen von Landwirt*innen, Vermarkter*innen und anderen Akteur*innen, die sich durch kreislauforientierte Bewirtschaftung auszeichnen. Einreichungen und Nominierungen sind formlos per E-Mail möglich, Einreichschluss ist am 31. Dezember 2021.

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Der Streuobstbau soll immaterielles Kulturerbe der UNESCO werden

Der Streuobstbau soll immaterielles Kulturerbe der UNESCO werden

von Josef Breinesberger (AGRAR Plus)

Der Streuobstbau hat in allen Teilen Österreichs eine lange Tradition. Einen wesentlichen Aufschwung erlebte dieser durch die Pflanzaktionen, die Kaiserin Maria Theresia beauftragt hatte. Einige Bäume in den aktuellen Beständen sind noch Zeitzeugen aus dieser Ära. Der Streuobstbau war lange Zeit die Grundlage zur Versorgung der Bevölkerung mit Obst, Most, Säften und diversen anderen Verarbeitungsprodukten. Wie Zahlen der Statistik Austria belegen, war im Jahr 1930 noch ein Gesamtbestand an Obstbäumen von fast 34 Millionen Bäumen in Österreich zu finden. Mit dem Aufkommen von Bier und industriell hergestellten alkoholfreien Produkten in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts, bei gleichzeitigem Aufkommen des „Plantagen-Obstbaues“ in den 1960er-Jahren nahm der Streuobstbestand massiv ab. Eine Expertenschätzung auf der Grundlage der Agrarstrukturerhebung 2010 kommt zum Ergebnis, dass nur mehr 4,5 Millionen Streuobstbäume vorhanden sind.

ARGE Streuobst

Die ARGE Streuobst ist daher bemüht, den noch vorhandenen Streuobstbestand abzusichern und Grundlagen zur neuerlichen Inwertsetzung von Streuobst voranzubringen.

In diesem Zusammenhang sind auch die Vorgaben des Green Deal der EU bzw. der österreichischen Zielsetzungen im ÖPUL bzw. in der Biodiversitätsstrategie zu beachten. In allen diesen Bereichen bildet Streuobst eine wesentliche Säule für die Zielerreichung. Mit rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen. Zusätzlich liefern diese Bäume durch ihren Erhalt einen wesentlichen Beitrag zum Wasserhaushalt und dem örtlichen Kleinklima. Jeder erhaltene Baum trägt auch zur Kohlenstoff-Senkenfunktion bei.

Mit der Abnahme der wirtschaftlichen Bedeutung des Streuobstbaues nimmt auch das breite Wissen im Umgang mit den vielen alten regionalen Sorten und die Kenntnis um deren Verwertung ab.

Ziele der UNESCO:

Das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes wurde 2003 beschlossen und ist 2006 in Kraft getreten. Österreich ist im Juli 2009 beigetreten. Das Übereinkommen verfolgt u.a. die Ziele das immaterielle Kulturerbe zu erhalten und das Bewusstsein für die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes und seine gegenseitige Wertschätzung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu fördern. Das immaterielle Kulturerbe bezieht sich dabei u.a. auf die Weitergabe von Wissen und Bräuchen in Bezug auf die Natur und das Universum und in traditionellen Handwerksbräuchen. Diese Zielsetzung deckt sich in weiten Bereichen mit den vielfältigen Tätigkeiten zum Erhalt des Streuobstbaues.

Durch die Öffentlichkeitsarbeit der UNESCO hat der Auszeichnungsstatus für das  immaterielle Kulturerbe zwischenzeitlichen einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft erhalten.

Die ARGE Streuobst strebt daher die Anerkennung des Streuobstbaues in seinen vielfältigen Funktionen für diesen Status an, um somit in die nationale Liste der Österreichischen UNESCO-Kommission aufgenommen zu werden und diesen dann öffentlichkeitswirksam verwenden zu können. Vorbild für diese Aktivität ist Deutschland, wo Hochstamm Deutschland diesen Status für Deutschland im heurigen Jahr erreichen konnte.

Streuobstbauberatung im Südburgenland im Rahmen eines Projekts für die Zwergohreule

Streuobstbauberatung im Südburgenland im Rahmen eines Projekts für die Zwergohreule

Der Naturschutzbund Burgenland, BirdLife Österreich und die ARGE Streuobst, setzen seit 2020 ein Streuobstwiesenprojekt für die Zwergohreule im Südburgenland um.

Christian Holler

Die Zwergohreule ist in der Roten Liste für Österreich als „stark gefährdet“ eingestuft und befindet sich in der Birdlife „Ampelliste“ in der roten Stufe. Die Zwergohreule ist hierzulande ein seltener Brutvogel in wämebegünstigten Regionen, im Südburgenland gibt es derzeit rund 15 Brutpaare. Die Eule bewohnt baumreiche, halboffene Landschaften mit extensiver Nutzung, oft auch an Siedlungsrändern, z.B. alte höhlenreiche Streuobstwiesen und parkähnliche Bereiche. Als Zugvogel überwintert die kleinste heimische Eule in Afrika und hält sich nur zwischen April und August hier im Brutgebiet auf.

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ARGE Streuobst goes Social Media

ARGE Streuobst goes Social Media

Neben dem traditionellen Medium der vierteljährlich erscheinenden Streuobst-Info hat sich der Vorstand der ARGE Streuobst auch entschieden, über Aktivitäten und Neuigkeiten auf dem Streuobst-Sektor in sozialen Netzwerken zu berichten.

Seit längerem schon betreut der Obmann Hans Hartl den Facebook-Account der ARGE Streuobst. Seit diesem Herbst findet man die ARGE Streuobst auch auf Instagram. Immer aktuelle Informationen und Berichte aus dem In- und Ausland. So können wir laufend das Thema Streuobst einem breiten Publikum näherbringen.

Die Laubholzmistel – Heilpflanze und Schädling

Die Laubholzmistel – Heilpflanze und Schädling

Wolfgang Weingerl

Für die Vogelwelt sind Misteln am Baum ein reich gedeckter Tisch, besonders die Misteldrossel oder durchziehende Seidenschwänze stärken sich in den Wintermonaten an den weißen Beeren. Die Mistel ist als Heilpflanze sehr bedeutsam, wobei die manchmal behauptete Giftigkeit der grünen Pflanzenteile heute weitgehend bestritten wird. Als Kaltauszug über Nacht angesetzt und in der Früh auf Trinktemperatur gebracht kann Misteltee helfen, Blutdruckprobleme in den Griff zu bekommen. In der Alternativ- und Komplementärmedizin wird die sogenannte Misteltherapie als Krebsbehandlungsmethode angewandt.

Als Dekoration sind Mistelzweige vor allem um die Weihnachtszeit sehr beliebt, ob die Beliebtheit tatsächlich auf keltisches Brauchtum zurückgeht, sei dahingestellt.

Tatsache ist, dass das Mistelvorkommen zunehmend ist und die ausgiebige Verwendung der Misteln für gesundheitliche oder dekorative Verwendungen kaum den Platz unserer einheimischen Laubholz-Mistel auf der Liste gefährdeter Pflanzen rechtfertigt.

Wolfgang Weingerl Vergreister Apfelbaum im letzten Lebensstadium

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Besser von der Streuobstwiese – höhere Polyphenolgehalte in Apfelsäften und -produkten aus Streuobst

Besser von der Streuobstwiese – höhere Polyphenolgehalte in Apfelsäften und -produkten aus Streuobst

Äpfel enthalten viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe, darunter auch Polyphenole. Sie sind an der Geschmacks- und Farbbildung der Früchte beteiligt, sie wirken antioxidativ und schützen daher vor Zellschädigungen durch freie Radikale, also vorbeugend vor Arteriosklerose und Krebs. Außerdem spielen sie bei Apfelallergikern eine Rolle, was die Verträglichkeit von Äpfeln betrifft.

Die Gehalte variieren sortenabhängig. „Alte Sorten“, die vorwiegend im Streuobstbau zu finden sind, haben oft einen sauren und herben Geschmack, der mit höheren Gehalten an Polyphenolen einhergeht als moderne Züchtungen, die vorherrschend süß schmecken. Beim Anschneiden der Früchte oxidieren Polyphenole, das Fruchtfleisch wird braun, ein weiterer Makel, der bei neuen Sorten weggezüchtet wurde.

Daniela Noll

In Apfelsäften, die bekanntlich aus Streuobstbau stammten, fanden wir etwa doppelt so hohe Polyphenolgehalte (1004 mg/l) als in jenen aus dem Tafelanbau (469 mg/l) und aus dem Handel (517 mg/l).

In sortenreinen Säften von älteren Sorten (‘Damasonsrenette’, ‘Greillensteiner Marillenapfel’ und ‘Bohnapfel’), die insbesondere im Streuobstbau vorkommen, waren mit 1300 mg/l deutlich höhere Werte zu finden als bei Neueren aus dem modernen Tafelobstanbau (z.B. ‘Idared‘ mit 450 mg/l). Einige neuere Züchtungen (‘Opal’, ‘Pinova’ und ‘Topaz‘) erzielten dagegen ähnliche Werte (700-900 mg/l) wie ältere Sorten (Berner Rosenapfel, Adersleber Kalvill) mit vergleichsweise geringeren Gehalten.

Daniela Noll

Bei Apfelspalten von regionalen Verarbeitern konnten höhere Werte (750 mg/100g) an Polyphenolen gefunden werden als in einem Vergleichsprodukt aus dem Handel (187 mg/100g). Die Produkte aus Streuobst wiesen im Vergleich zum Tafelobst etwas höhere Gesamtpolyphenolgehalte auf, wobei der Unterschied zwischen den sortenreinen Apfelringen von ‘Ontario’ (759 mg/100g) und ‘Topaz’ (293 mg/100g) deutlicher ausfiel als bei den Mischprodukten aus Streuobst (747 mg/100g) im Vergleich zu Tafelobst (688 mg/100g).

Streuobstwiesen mit ihren polyphenolreichen Sorten sind also eine wertvolle Grundlage für qualitativ hochwertige, gesundheitsfördernde und gut verträgliche Produkte.

Daniela Noll, Andreas Spornberger, Federica De Berardinis, BOKU Wien, Institut für Wein- und Obstbau,
E-Mail: daniela.noll@boku.ac.at

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