Spätblühende Apfelsorten – wo stehen sie?

Spätblühende Apfelsorten – wo stehen sie?

Im Namen der aktuell laufenden Pomolog:innen-Ausbildung (siehe Beitrag davor) suchen wir in ganz Österreich spätblühende Apfelsorten. Der Hintergrund ist folgender: in den letzten Jahren ereigneten sich Mitte bis Ende April regelmässig Spätfrostereignisse, die in die kritische Blütephase der meisten Apfelbäume fiel. Verschont blieben in der Regel einerseits nur sehr „robuste“ Sorten, die über einen sehr langen Zeitraum sukkzessive ihre Blüten öffnen, sodass sich frostbedingte tageweise Ausfälle nicht allzu stark auswirken. Die Ernte fällt dann zwar geringer aus, ist aber noch akzeptabel. Ebenfalls glimpflich durch die Spätfrostphasen kommen sogenannte „Spätblüher“, die erst deutlich nach den Eisheiligen (nach Mitte Mai) ihre Blühambitionen zeigen. Für den Aussenstehenden wirken solche Bäume vor der Blüte meist wie „abgestorben“ (siehe Bilder), denn die Bäume stehen natürlich noch nicht im Laub. Der Laubaustrieb startet bei den „Spätblühern“ genau wie bei den anderen Sorten erst nach der erfolgten Blüte. Wir suchen im ganzen Land nun solche vitalen „Spätstarter“, die den Spätfrösten alle Jahre trotzen und uns mit einer guten Ernte erfreuen. Wer kennt solche Bäume? Wo stehen sie, ist die Sorte bekannt, wie gut tragen sie?

Silja Horak Der kahle Baum rechts im Vordergrund ist die Sorte Spätblühender Taffetapfel.
Blühbeginn am 28.5.2021.
Silja Horak Derselbe Baum in Vollblüte im Jahr davor (23.5.2020). Der Apfelbaum dahinter und alle anderen Bäume in der Anlage Goldenstein/Elsbethen sind schon längst in vollem Laub. Fotos: Silja Horak

Bitte geben Sie uns Bescheid, denn wir möchten diese Sorten kartieren und beobachten. Auch von Interesse sind mögliche Befruchtersorten, denn Apfelbäume bilden in der Regel nur Früchte aus, wenn sie auch von einer anderen (Wild-)Apfelsorte im Umkreis von wenigen hundert Metern bis maximal 1-2 km von (Wild-)Bienen bestäubt wurden.

Diese Beispiele von alten Streuobst-Sorten sind von Pomologen und aus der Literatur grundsätzlich als „Spätblüher“ bekannt, aber wir möchten es gerne vor Ort verifizieren:

Champagner Renette, Doppelter Prinzenapfel, Engelsberger, Graham’s Jubiläumsapfel, Heslacher Gereutapfel, Königlicher Kurzstiel, Krüger’s Dickstiel, Lavantaler Bananenapfel, Rheinischer Winterrambur, Rote Sternenrenette, Roter Bellefleur („Siebenschläfer“), Roter Taffetapfel, Saffranpepping, Spätblühender Taffetapfel, Steirischer Maschanzker, Zabergäu Renette.

Interessant sind solch ausgesprochen spätblühende Sorten hinkünftig vor allem in der Apfelzucht. Damit lassen sich grundsätzlich neue Sorten züchten, die unsere heutigen Vorlieben für Geschmack treffen und verlässlich jedes Jahr trotz Spätfrösten fruchten. In Erwerbsanlagen sind Spätfröste nämlich alle Jahre sehr gefürchtet, denn die Frostschutzberegnung ist sehr wasser- und stromintensiv. Die alternativen Beräucherungsanlagen sind wenig effizient und belasten die Obstanlagen und das Umfeld mit Rauchgasen.

Wer „Spätblüher“ in seinem Umfeld kennt, bitte um Kontaktaufnahme mit Baumwärterin und Pomologin in Ausbildung Silja Horak: siljahorak@yahoo.com (OGV Elsbethen). Vielen Dank für Ihre Mithilfe!

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