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Autor: Redaktion

Umweltdachverband sucht die besten Streuobst-Projekte Österreichs

Umweltdachverband sucht die besten Streuobst-Projekte Österreichs

Um auf die Bedeutung der selten gewordenen Streuobstbestände aufmerksam zu machen, ruft der Umweltdachverband zum österreichweiten Wettbewerb auf: Gesucht werden die zehn innovativsten Streuobst-Projekte und Initiativen, die sich durch kreislauforientierte Bewirtschaftung auszeichnen.

Einreichung noch bis zum 31.12.2021

Header Streuobstwettbewerb web

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Dank ihres viel­fältigen Nahrungs- und Strukturangebots bieten sie Lebensraum für mehr als 5.000 Tier- und Pflanzen­arten, darunter zahlreiche gefährdete Arten. Als Kohlenstoffspei­cher und regionale Nahrungsmittelversorger leisten sie zudem einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz. Um auf die Bedeutung der selten gewordenen Streuobstbestände für Mensch und Natur aufmerksam zu machen und die Leistung aller Akteur*innen entlang ihrer Wertschöpfungskette vor den Vorhang zu bringen, ruft der Umweltdachverband im Rahmen seines Projektes „Streuobst in Österreich – gemeinsam Vielfalt fördern und Inwertsetzung steigern“ zum österreichweiten Streuobst-Wettbewerb auf: Gesucht werden innovative Streuobst-Projekte und Initiativen von Landwirt*innen, Vermarkter*innen und anderen Akteur*innen, die sich durch kreislauforientierte Bewirtschaftung auszeichnen. Einreichungen und Nominierungen sind formlos per E-Mail möglich, Einreichschluss ist am 31. Dezember 2021.

Streuobstwiesen sind Eldorados der Biodiversität
„Nach Schätzungen gibt es allein in Österreich mehr als 3.000 verschiedene Obstsorten – mög­lich ist das nur dank traditioneller Streuobstwie­sen, die als wahre Eldorados der Biodiversität fungieren. Ihr Weiterbestand ist jedoch nur gesichert, wenn sie gepflegt und bewirtschaftet werden. Mit unserem Wettbewerb wollen wir die Leistung dieser Naturparadiese für Regionalentwicklung, Natur und Kulturlandschaft und der Menschen, die dafür tagtäglich immensen Einsatz bringen, ins Bewusstsein rücken. Wir freuen uns auf zahlreiche vielfältige und spannende Einreichungen“, sagt Judith Drapela-Dhiflaoui, Biodiversitätsexpertin des Umweltdachverbandes.

10 Best-Practice-Beispiele als Inspiration, Mutmacher und Impulsgeber
Die zehn innovativsten Projekte werden auf der Website des Umweltdachverbandes und seiner Projektpartner ARGE Streuobst, LEADER Region Lipizzanerheimat und Naturpark Ötscher-Tormäuer als Best-Practice-Beispiele für vorbildliche Streuobst-Bewirtschaftung präsentiert.

Projektinfos: https://www.umweltdachverband.at/inhalt/apfel-birne-los-umweltdachverband-sucht-die-besten-streuobst-projekte-oesterreichs

Kontakt für Einreichungen und Nominierungen:



Betreff: Streuobst-Wettbewerb 2021
z.H. Judith Drapela-Dhiflaoui
E-Mail: judith.drapela-dhiflaoui@umweltdachverband.at

Der Streuobstbau soll immaterielles Kulturerbe der UNESCO werden

Der Streuobstbau soll immaterielles Kulturerbe der UNESCO werden

von Josef Breinesberger (AGRAR Plus)

Der Streuobstbau hat in allen Teilen Österreichs eine lange Tradition. Einen wesentlichen Aufschwung erlebte dieser durch die Pflanzaktionen, die Kaiserin Maria Theresia beauftragt hatte. Einige Bäume in den aktuellen Beständen sind noch Zeitzeugen aus dieser Ära. Der Streuobstbau war lange Zeit die Grundlage zur Versorgung der Bevölkerung mit Obst, Most, Säften und diversen anderen Verarbeitungsprodukten. Wie Zahlen der Statistik Austria belegen, war im Jahr 1930 noch ein Gesamtbestand an Obstbäumen von fast 34 Millionen Bäumen in Österreich zu finden. Mit dem Aufkommen von Bier und industriell hergestellten alkoholfreien Produkten in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts, bei gleichzeitigem Aufkommen des „Plantagen-Obstbaues“ in den 1960er-Jahren nahm der Streuobstbestand massiv ab. Eine Expertenschätzung auf der Grundlage der Agrarstrukturerhebung 2010 kommt zum Ergebnis, dass nur mehr 4,5 Millionen Streuobstbäume vorhanden sind.

Die ARGE Streuobst ist daher bemüht, den noch vorhandenen Streuobstbestand abzusichern und Grundlagen zur neuerlichen Inwertsetzung von Streuobst voranzubringen.

In diesem Zusammenhang sind auch die Vorgaben des Green Deal der EU bzw. der österreichischen Zielsetzungen im ÖPUL bzw. in der Biodiversitätsstrategie zu beachten. In allen diesen Bereichen bildet Streuobst eine wesentliche Säule für die Zielerreichung. Mit rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen. Zusätzlich liefern diese Bäume durch ihren Erhalt einen wesentlichen Beitrag zum Wasserhaushalt und dem örtlichen Kleinklima. Jeder erhaltene Baum trägt auch zur Kohlenstoff-Senkenfunktion bei.

Mit der Abnahme der wirtschaftlichen Bedeutung des Streuobstbaues nimmt auch das breite Wissen im Umgang mit den vielen alten regionalen Sorten und die Kenntnis um deren Verwertung ab.

Ziele der UNESCO:

Das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes wurde 2003 beschlossen und ist 2006 in Kraft getreten. Österreich ist im Juli 2009 beigetreten. Das Übereinkommen verfolgt u.a. die Ziele das immaterielle Kulturerbe zu erhalten und das Bewusstsein für die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes und seine gegenseitige Wertschätzung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu fördern. Das immaterielle Kulturerbe bezieht sich dabei u.a. auf die Weitergabe von Wissen und Bräuchen in Bezug auf die Natur und das Universum und in traditionellen Handwerksbräuchen. Diese Zielsetzung deckt sich in weiten Bereichen mit den vielfältigen Tätigkeiten zum Erhalt des Streuobstbaues.

Durch die Öffentlichkeitsarbeit der UNESCO hat der Auszeichnungsstatus für das  immaterielle Kulturerbe zwischenzeitlichen einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft erhalten.

Die ARGE Streuobst strebt daher die Anerkennung des Streuobstbaues in seinen vielfältigen Funktionen für diesen Status an, um somit in die nationale Liste der Österreichischen UNESCO-Kommission aufgenommen zu werden und diesen dann öffentlichkeitswirksam verwenden zu können. Vorbild für diese Aktivität ist Deutschland, wo Hochstamm Deutschland diesen Status für Deutschland im heurigen Jahr erreichen konnte.

Streuobstbauberatung im Südburgenland im Rahmen eines Projekts für die Zwergohreule

Streuobstbauberatung im Südburgenland im Rahmen eines Projekts für die Zwergohreule

Der Naturschutzbund Burgenland, BirdLife Österreich und die ARGE Streuobst, setzen seit 2020 ein Streuobstwiesenprojekt für die Zwergohreule im Südburgenland um.

Christian Holler

Die Zwergohreule ist in der Roten Liste für Österreich als „stark gefährdet“ eigestuft und befindet sich in der Birdlife „Ampelliste“ in der roten Stufe. Die Zwergohreule ist hierzulande ein seltener Brutvogel in wämebegünstigten Regionen, im Südburgenland gibt es derzeit rund 15 Brutpaare. Die Eule bewohnt baumreiche, halboffene Landschaften mit extensiver Nutzung, oft auch an Siedlungsrändern, z.B. alte höhlenreiche Streuobstwiesen und parkähnliche Bereiche. Als Zugvogel überwintert die kleinste heimische Eule in Afrika und hält sich nur zwischen April und August hier im Brutgebiet auf.

Im Rahmen des Projektes wird der Lebensraum und das Nahrungsangebote im südburgenländischen Brutgebiet untersucht. Als Ergebnis wird ein Maßnahmenkatalog mit Handlungsanleitungen zur Verbesserung des Lebensraumes für die Zwergohreule erstellt. Begleitend werden in den Gemeinden des Projektgebietes in den Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf, Beratungen für die Streuobstwiesenbesitzer und Bewirtschafter angeboten.

Bei Interesse an einer Beratung zu Obstsorten, Jung- und Altbaumpflege sowie Obstbaumpflanzung in Ihrer Streuobstwiese, kontaktieren Sie DI Christian Holler, Tel. 0664/4773149, Email: c. holler@tb-holler.at.

Eine kostenlose vor Ort Beratungen ist im Rahmen des Projekts in folgenden Gemeinden möglich: Markt Allhau, Wolfau, Ollersdorf, Wörterberg, Stinatz, Hackerberg, Burgauberg-Neudauberg, Stegersbach, Rohr im Burgenland, Kukmirn, Gerersdorf-Sulz, Güssing, Heiligenbrunn, Kleinmürbisch, Inzenhof, Neustift bei Güssing, Tschanigraben, Großmürbisch, sowie in allen Gemeinden des Bezirks Jennersdorf.

Weitere Infos zum Projekt: https://www.naturschutzbund-burgenland.at/voegel/zwergohreule

ARGE Streuobst goes Social Media

ARGE Streuobst goes Social Media

Neben dem traditionellen Medium der vierteljährlich erscheinenden Streuobst-Info hat sich der Vorstand der ARGE Streuobst auch entschieden, über Aktivitäten und Neuigkeiten auf dem Streuobst-Sektor in sozialen Netzwerken zu berichten.

Seit längerem schon betreut der Obmann Hans Hartl den Facebook-Account der ARGE Streuobst. Seit diesem Herbst findet man die ARGE Streuobst auch auf Instagram. Immer aktuelle Informationen und Berichte aus dem In- und Ausland. So können wir laufend das Thema Streuobst einem breiten Publikum näherbringen.

Die Laubholzmistel – Heilpflanze und Schädling

Die Laubholzmistel – Heilpflanze und Schädling

Wolfgang Weingerl

Für die Vogelwelt sind Misteln am Baum ein reich gedeckter Tisch, besonders die Misteldrossel oder durchziehende Seidenschwänze stärken sich in den Wintermonaten an den weißen Beeren. Die Mistel ist als Heilpflanze sehr bedeutsam, wobei die manchmal behauptete Giftigkeit der grünen Pflanzenteile heute weitgehend bestritten wird. Als Kaltauszug über Nacht angesetzt und in der Früh auf Trinktemperatur gebracht kann Misteltee helfen, Blutdruckprobleme in den Griff zu bekommen. In der Alternativ- und Komplementärmedizin wird die sogenannte Misteltherapie als Krebsbehandlungsmethode angewandt.

Als Dekoration sind Mistelzweige vor allem um die Weihnachtszeit sehr beliebt, ob die Beliebtheit tatsächlich auf keltisches Brauchtum zurückgeht, sei dahingestellt.

Tatsache ist, dass das Mistelvorkommen zunehmend ist und die ausgiebige Verwendung der Misteln für gesundheitliche oder dekorative Verwendungen kaum den Platz unserer einheimischen Laubholz-Mistel auf der Liste gefährdeter Pflanzen rechtfertigt.

Wolfgang Weingerl Vergreister Apfelbaum im letzten Lebensstadium

Das starke Auftreten der Mistel vor allem in den Pappel-Auen hat auch noch zwei weitere Gründe: Erstens wird es in den Wintern aufgrund der Klimaerwärmung kaum mehr lange genug kalt, um die Misteln zu schädigen. Zweitens sind die “Austreifen” neben den Flüssen, in Windschutzgürtel und die Streuobstbestände oft nur mehr die letzten Rückzugsgebiete für die Vogelbestände in der sonst “ausgeräumten” Landschaft. Nur mehr dort finden sie ausreichend Schutz, Nahrung und Nistmöglichkeiten und tragen dadurch natürlich zu einer verstärkten Ausbreitung bei. Ein Beispiel dafür, dass der Einfluss der menschlichen Tätigkeit oft an unvermuteter Stelle, erst am zweiten Blick sichtbar und eventuell auch zum Problem wird.

Biologie der Mistel

Neben der Tannenmistel und der Kiefernmistel ist die Laubholzmistel (Viscum album ssp. album) in unseren Breiten die häufigste Unterart, die in manchen Regionen großflächig Pappeln und Obstbäume bewohnt. Vögel sind die Verbreiter der klebrigen Samen, die durch ihren Klebstoff Viscin zuerst an den Schnäbeln der Vögel, später an den Zweigen ihrer zukünftigen Wirtsbäume anhaften, bevor sich aus den Samen ein dünner Schlauch in das Zellgewebe der Rinde einwächst und dort die Saftleitungsbahnen anzapft. Übrigens ist die Bezeichnung für die Fließfähigkeit von Flüssigkeiten – Viskosität – auch auf dieses Viscin zurückzuführen.

Wolfgang Weingerl Junge Mistel mit freigelegten Haustorien

Durch die Fähigkeit der Mistelpflanze, stärker zu transpirieren, damit den Saftstrom zu verstärken und dadurch den erhöhten eigenen Stickstoffbedarf zu decken, bringt die Mistel die weiter außen liegenden Astpartien sukzessive zum Vertrocknen und Absterben. Misteln sind bis ca. -25°C frosthart, assimilieren auch nach dem Laubfall des Wirtbaumes bis zum Frosteintritt weiter und können dadurch ihren Wettbewerbsvorteil in der Krone weiter ausbauen. Zudem beginnt die Mistel im Frühjahr zeitiger mit dem Wachstum als der Baum selbst und hat dadurch einen Vorteil. Was bei Intensiv-Obstanlagen durch den starken Umtrieb kein Problem darstellt, wird bei Streuobstbäumen vor allem in der Nähe von Mischwäldern mit hohem Pappel- oder Lindenanteil immer mehr zum Problem. Wenn Streuobstbäume nicht jährlich geschnitten werden (was ja als Argument für Streuobstbau angeführt wird), gibt das den Misteln Gelegenheit, unbehelligt die Bäume zu besiedeln und sich stark zu vermehren. Oft sind diese Obstbäume auch nicht mehr vital genug, um nach scharfem Schnitt und Entfernen der Mistel-Wirtsäste genug neue Austriebe für eine Regeneration der Bäume zu produzieren.

Methoden der Bekämpfung

Über die Haustorien (quasi Wurzeln der Mistel im Bast der Wirtsrinde) ist der Schmarotzer gut am Wirt verankert und treibt auch beim Rückschnitt der Mistel wieder kräftig aus. Die Haustorien reichen im Bast oft bis 30 cm in beide Richtungen des Astes und können nur mitsamt dem Ast weggeschnitten werden. Dies ist auch die wirksamste Maßnahme, stellt aber in der Praxis durch mitunter große Höhen der Bäume ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob bei stark überbauten Kronen und nicht beerntbaren Astpartien nicht sowieso schon etwas versäumt wurde. Wo man beim Baumschnitt nicht ohne großen Aufwand hingelangt, wird man auch kaum leicht Obst ernten können. Um bei bereits in Altersruhe befindlichen Obstbäumen eine Revitalisierung zu starten, ist ein entsprechender Eingriff in die Krone und dadurch auch ein Anregen der Wurzelerneuerung unumgänglich. Wenn sich im ersten Jahr nach dem Schnitt ausreichend neue Triebe gebildet haben, können wir leichter von der Mistel befallene Äste auf Neuaustriebe zurücksetzen.

Wichtig ist hier, dass die Triebkraft des befallenen Baumes nachhaltig und konsequent gefördert wird. Ansonsten kommt es durch die Schnittwunden an den Bäumen zu einem verstärkten Befall durch weitere “Schwächeparasiten”, wie zum Beispiel dem Zunderschwamm (Fomen fomentarius). Dieser ist in der gleichen ökologischen Nische wie die Mistel zu finden (“Weichholz”-betonte Bestände in relativ niederen Lagen) und sorgt dort für den Abbau der altersschwachen Bäume. Bedeutsam ist das deshalb, weil er die Weißfäule verursacht, die auch an unseren Obstbäumen Starkholzbrüche verursachen können.

Wolfgang Weingerl

Bei Mistelbefall auf starken Leitästen oder im Stammbereich ist ein Entfernen natürlich nicht ganz so einfach. Ein Ausschneiden von kleineren Misteln mitsamt ihren Haustorien ist nur bei Bäumen mit ausreichender Vitalität zur Wundversorgung möglich. Ansonsten kann nur versucht werden, die Mistel „zu blenden“. Dazu wird der äußere Bereich der Mistelpflanze sauber weggeschnitten und zur Verhinderung des Neuaustriebes der Pflanze das Licht entzogen. Lichtundurchlässiges Material wie z.B. Teichfolie wird so um den Bereich des Mistelbefalls gelegt, dass der beginnende Neuaustrieb über zwei Saisonen lang kein Licht erhält. Das muss aber über die ganze Länge der Haustorien erfolgen, sonst treibt der im Ast befindliche Teil wieder aus! Vorsicht ist aber auch hier geboten: Staunässe oder Einschnürungen des Baumes sind zu vermeiden, da auch Fäulnis/Pilzbefall und mechanische Schäden dem Obstbaum nicht förderlich sind.

Wolfgang Weingerl Äußerlich unsichtbar: die Haustorien greifen weit in die Astlänge hinein (braune Linien im Holz).

Aussichten

In Gebieten mit starkem Befallsdruck durch Misteln ist eine zeitintensive Pflege der Streuobstbestände unumgänglich. Durch die Wuchshöhe der Bäume, von denen Mistelsamen auf die Obstbäume verschleppt werden, ist ein Freihalten von Misteln aussichtslos. Neben der Vergreisung der Streuobstbestände und Rodungen wegen mangelnder Nutzung stellt die Mistel mit rapidem Absterben von Astpartien und Zugrundegehen die Hauptbedrohung von Streuobstbeständen dar.

Wolfgang Weingerl Freistehende Linde als „Keimzelle“ des Befalldruckes durch Misteln

Verstärkt gilt auch hier wieder: Wer seine Bäume nicht ausreichend beobachtet und rechtzeitig reagiert, wird kaum Erfolg haben! Die ökonomische Bedeutung der Bestände muss durch Hebung der Wertschöpfung im gleichen Maß wie die Bereitschaft zur Pflege der Bäume steigen.

Besser von der Streuobstwiese – höhere Polyphenolgehalte in Apfelsäften und -produkten aus Streuobst

Besser von der Streuobstwiese – höhere Polyphenolgehalte in Apfelsäften und -produkten aus Streuobst

Äpfel enthalten viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe, darunter auch Polyphenole. Sie sind an der Geschmacks- und Farbbildung der Früchte beteiligt, sie wirken antioxidativ und schützen daher vor Zellschädigungen durch freie Radikale, also vorbeugend vor Arteriosklerose und Krebs. Außerdem spielen sie bei Apfelallergikern eine Rolle, was die Verträglichkeit von Äpfeln betrifft.

Die Gehalte variieren sortenabhängig. „Alte Sorten“, die vorwiegend im Streuobstbau zu finden sind, haben oft einen sauren und herben Geschmack, der mit höheren Gehalten an Polyphenolen einhergeht als moderne Züchtungen, die vorherrschend süß schmecken. Beim Anschneiden der Früchte oxidieren Polyphenole, das Fruchtfleisch wird braun, ein weiterer Makel, der bei neuen Sorten weggezüchtet wurde.

Daniela Noll

In Apfelsäften, die bekanntlich aus Streuobstbau stammten, fanden wir etwa doppelt so hohe Polyphenolgehalte (1004 mg/l) als in jenen aus dem Tafelanbau (469 mg/l) und aus dem Handel (517 mg/l).

In sortenreinen Säften von älteren Sorten (‘Damasonsrenette’, ‘Greillensteiner Marillenapfel’ und ‘Bohnapfel’), die insbesondere im Streuobstbau vorkommen, waren mit 1300 mg/l deutlich höhere Werte zu finden als bei Neueren aus dem modernen Tafelobstanbau (z.B. ‘Idared‘ mit 450 mg/l). Einige neuere Züchtungen (‘Opal’, ‘Pinova’ und ‘Topaz‘) erzielten dagegen ähnliche Werte (700-900 mg/l) wie ältere Sorten (Berner Rosenapfel, Adersleber Kalvill) mit vergleichsweise geringeren Gehalten.

Daniela Noll

Bei Apfelspalten von regionalen Verarbeitern konnten höhere Werte (750 mg/100g) an Polyphenolen gefunden werden als in einem Vergleichsprodukt aus dem Handel (187 mg/100g). Die Produkte aus Streuobst wiesen im Vergleich zum Tafelobst etwas höhere Gesamtpolyphenolgehalte auf, wobei der Unterschied zwischen den sortenreinen Apfelringen von ‘Ontario’ (759 mg/100g) und ‘Topaz’ (293 mg/100g) deutlicher ausfiel als bei den Mischprodukten aus Streuobst (747 mg/100g) im Vergleich zu Tafelobst (688 mg/100g).

Streuobstwiesen mit ihren polyphenolreichen Sorten sind also eine wertvolle Grundlage für qualitativ hochwertige, gesundheitsfördernde und gut verträgliche Produkte.

Daniela Noll, Andreas Spornberger, Federica De Berardinis, BOKU Wien, Institut für Wein- und Obstbau,
E-Mail: daniela.noll@boku.ac.at

Hartwiß Gelbe Zwetschke

Hartwiß Gelbe Zwetschke

Streuobstsorte des Jahres 2022

Hartwiß Gelbe Zwetschke
Siegfried Bernkopf Hartwiß Gelbe Zwetschke

Allgemeine Beschreibung

„Hartwiß Gelbe Zwetschke“ wurde in den 30iger-Jahren des 19. Jhdts vom Apotheker und Pomologen Georg Liegel (1779-1861) in Braunau/Inn aus den Fruchtsteinen der Sorte „Gelbe Frühzwetsche“ gezogen. Er widmete diese Sorte seinem Pomologenkollegen Nicolai Anders Hartwiß (1793-1860), Direktor der kaiserlich-russischen Gärten in Nikita auf der Krim. Liegel beschrieb diese Sorte erstmals 1846. Eine weitere ausführliche Beschreibung folgte 1861 durch Oberdieck.

Von den vielen Pflaumenzüchtungen Liegels schien bis vor wenigen Jahrzehnten nichts erhalten geblieben zu sein. Um 1988 wurde in Wallern (Oberösterreich) eine gelbe Zwetschke mit dem Namen „Goldtropfen“ entdeckt. Leider wurde der alte Baum umgeschnitten, bevor Reiser geschnitten werden konnten. Vor wenigen Jahren wurde dieselbe Sorte in Lasberg (Mühlviertel) auf einem alten Baum angetroffen, anschließend auf mehreren Standorten abgesichert und pomologisch sowie zuletzt auch molekulargenetisch geprüft. Dabei kam letztlich heraus, dass es sich dabei nicht, wie ursprünglich vermutet, um die Sorte „Coes Golden Drop“ handelt, sondern um Liegels „Hartwiß Gelbe Zwetschke“. Interessant ist, dass die Gen-Analyse zwar eine Übereinstimmung mit einem deutschen Vergleichsmuster ergab, im pomologischen Vergleich, insbesondere was die Fruchtsteinmorphologie betrifft, geringe Abweichungen gegeben waren.

„Hartwiß Gelbe Zwetschke“ ist vor allem wegen der sehr charakteristischen Fruchtform (kurze zitzenartige Mündung beim Stielansatz, „Schwangerenbauch“ in der Seitenansicht) nahezu unverwechselbar. Sie ist wegen des mittelstark ausgeprägten sortentypischen Aromas und des vom Fruchtstein leicht lösbaren Fruchtfleisches eine gesuchte Sorte für den Frischverzehr, aber auch in der Küche bzw. bei der Herstellung von hochwertigen Destillaten ausgezeichnet verwendbar.

In Anbetracht dieser besonderen Eigenschaften, ihrer historischen Bedeutung und interessanten Wiederentdeckungsgeschichte hat sich die ARGE Streuobst entschieden, „Hartwiß Gelbe Zwetschke“ als Streuobstsorte des Jahres 2022 festzulegen, der Bevölkerung bekannt zu machen und für ihre Erhaltung zu sorgen.

Siegfried Bernkopf ca. 70-jähriger Hochstamm, Lasberg

Pomologische Beschreibung

Synonyme, Herkunft, Verbreitung: in Oberösterreich fälschlich “Goldtropfen”; von GEORG LIEGEL um 1838 aus den Fruchtsteinen der “Gelben Frühzwetsche gezogen, 1846 von ihm erstmals beschrieben und seinem Obstbaufreund Oberst Hartwiß in Nikita (Krim) gewidmet; in Oberösterreich selten

Fruchtmerkmale:

Fruchtmuster: ca.70-jähriger Hochstamm auf Sämling; Ernte 2019; Gemeinde Lasberg

Größe: mittelgroß; 38,2-42,1 mm hoch; 27,3-30,7 mm breit; 31,7-34,9 mm dick; 16,9-22,6 g schwer

Form: Vorderansicht: schmal oval bis oval; meist mit stumpf halsartigem bis zitzenförmigem Stielansatz; teils ungleichhälftig, stiel- bis mittelbauchig; Naht nicht bis mäßig auffällig, meist nicht eingefurcht; Seitenansicht: charakteristisch starke einseitige Wölbung (Bauch); Stempelseite: Stempelpunkt klein, hellbraun, meist aufsitzend

Haut: mitteldick, mittelgut abziehbar, mittelzäh, säuerlich, gering duftend; vollreif goldgelb mit teils geringer hell orange verwaschener Deckfarbe, dünn weißlich bereift

Stielbucht: flach, eng; Rand glatt

Stiel: kurz bis mittellang, 15-22 mm, dünn bis mitteldick, hellgrün und oft graubraun gesprenkelt

Fleisch: gelb bis orangegelb, mittelfest, mäßig saftig; säuerlich-süß, mittelstark gewürzt; meist gut steinlösend; Zuckergehalt: 13,8-14,8 °KMW; 67-72 °Oechsle; 15,8-16,9 °Brix

Fruchtstein: klein bis mittelgroß; Länge: 20,5-22,8 (ø 21,7) mm; Breite: 7,1 -8,4 (ø 7,5) mm; Dicke: 11,4-12,9 (ø 12,1) mm; Seitenansicht: unregelmäßig oval, schief verzogen, Stielansatz schmal ausgezogen und meist gegen Rücken gedreht; stempelwärts stärker verjüngt; gegen Bauchwulst mittelstark eingesenkt; Oberfläche glatt; Vorderansicht: schmal oval; Bauchwulst mittelbreit, flach, Mittelkamm selten und nur gering hervortretend; Rückenansicht: Rückenfurche sehr schmal

Reifezeit: mittelspät; am Standort Lasberg Mitte August

Baum Wuchs: mittelstark, Krone kugelig, später hoch kugelig

Verwendung: Tafel, Küche, Schnaps

Siegfried Bernkopf

Autor: Siegfried Bernkopf

Fotos: Siegfried Bernkopf

Kontakt: Dr. Siegfried Bernkopf, ARGE Streuobst; E-Mail: siegfried.bernkopf@aon.at

Literatur:


Liegel, G.: Hartwiß‘s gelbe Zwetsche, Vereinigte Frauendorfer Blätter, 212-213, Passau 1846
Liegel, G.: Hartwiß‘s gelbe Zwetsche, Beschreibung neuer Obstsorten – Die Pflaumen, 1. Heft, 43-44, Regensburg 1851
Oberdieck, J.G.C.: Hartwiß gelbe Zwetsche, Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, 257-258, Stuttgart 1861
Lauche, W.: Hartwiss‘ gelbe Zwetsche; Deutsche Pomologie IV-3, Berlin 1882

Tag der Streuobstwiese 2022

Tag der Streuobstwiese 2022

Ideen & Tipps

Am Fr. 29. April 2022 findet (zum zweiten Mal) der „Tag der Streuobstwiese“ statt. Die ARGE Streuobst und der Umweltdachverband Österreich riefen diesen besonderen Tag ins Leben. Europaweit werden Streuobst-Initiativen, ObstverarbeiterInnen, Naturschutzorganisationen, Schulen, Tourismusregionen, PomologInnen, Baumschulen, Streuobst-Freunde u.v.m. Aktionen setzen, um auf die Streuobstwiesen als Ort der Biodiversität, der Obstvielfalt, der Erwerbsgrundlage, des Genusses und der Erholung und als wichtiger Teil der Kulturlandschaft aufmerksam zu machen.

Die ARGE Streuobst koordiniert diesen Aktionstag für Österreich. Der Kreativität bei der Umsetzung von Streuobst-Projekten sind keine Grenzen gesetzt. Ein paar Anregungen, was Sie an diesem Tag machen könnten, finden Sie hier:

Genussvolles

  • Streuobst-Gerichte und -Menüs (in Schulküchen, in der Gastronomie, bei touristischen Betrieben)
  • Streuobst-Markt
  • Most- und Saftverkostungen bzw. Produktpräsentationen (bei Betrieben, im Lebensmittelhandel, auf Märkten und Plätzen, bei Veranstaltungen usw.)
  • Tag der offenen Tür (Obstverarbeiter, Sortengärten, Bauernläden)

Kreatives

  • Fotowettbewerb (Obstbaum, Blüte, Streuobstwiese als Lebensraum usw.)
  • Videos oder Kurzfilme machen
  • Texte und Gedichte
  • Malen und Werken
  • Musik
  • Ausstellung

Wissenswertes

  • Vorträge, Kurse, Workshops, Lesungen, Diskussionen
  • Streuobstwiesen-Exkursionen (im eigenen Umfeld oder in Streuobst-Regionen)
  • Poster oder Steckbriefe (Obstarten, Obstsorten, Tiere und Pflanzen der Streuobstwiese)
  • Interviews (mit älteren Menschen, mit Experten, mit Menschen von der Straße)
  • Obstbaum-Kartierungen machen
  • Wo kommt mein Apfel / mein Obst her?
  • Historische Aufnahmen bzw. (regionale) Literatur rund um Streuobst sichten

Praktisches

  • Pflege von Streuobstwiesen (z.B. von verbrachenden Obstgärten)
  • Obstbaumpflanzungen
  • Wildbienen-Nisthilfen bauen
  • Nistkästen für Vögel bauen

Gemütliches

  • Obstblüten-Wanderungen oder -Radtouren
  • Picknick im Obstgarten

Manche Vorhaben setzen Sie besser im Herbst (Sortenverkostungen, Obstsorten-Ausstellung, Obstpress-Tag) oder Winter (Obstbaumschnitt) um.

Tipps zur Vorbereitung

Rechtzeitig mit der Planung beginnen. Was möchten Sie umsetzen? Wen und was brauchen Sie dazu? Was möchte ich erreichen? Welche Kosten entstehen und ist die Aktion finanzierbar?

Öffentlichkeitsarbeit

Machen Sie Fotos oder Videos von den Aktionen und informieren Sie (regionale) Medien darüber. Perfekt geeignet sind soziale Medien, um viele Menschen zu erreichen.

Mail: info@arge-streuobst.at

Facebook: ARGE Streuobst; https://www.facebook.com/groups/2889815457966700

Instagram: #tagderstreuobstwiese

www.arge-streuobst.at

Vielfalt schützen – Vielfalt nützen

Vielfalt schützen – Vielfalt nützen

Der Haidegger Sortenerhaltungsgarten in Wagersbach

Thomas Rühmer, Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg

Die Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg ist eines von sieben Referaten der Abteilung 10 des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung, die für die Agenden der Land- und Forstwirtschaft in der Steiermark zuständig ist. Ein wesentliches Aufgabengebiet der Versuchsstation ist die Erhaltung alter Kernobstsorten. Die Arbeiten dazu haben bereits Anfang der 1970er Jahre begonnen.

Der ursprüngliche Grundgedanke dabei war die Erhaltung wertvollen Genmaterials für Züchtungszwecke mit besonderem Augenmerk auf stabile Robustheit, polygene Resistenzen und geschmackvolle Sorten für die Verarbeitung.

Anfang der 1970er Jahre gab der damalige Leiter der Versuchsstation, Ing. Franz Strempfl, den Anstoß zur Gründung der umfangreichen Sortensammlung. Zuerst wurde mit einer Fragebogenaktion bei den steirischen landwirtschaftlichen Fachschulen erhoben, wo interessante Apfel- und Birnensorten stehen. Danach wurde das Material gesammelt, in einer hauseigenen Baumschule vermehrt und auf einer Pachtfläche in Hofstätten bei Gleisdorf ausgepflanzt. Der damalige Obstbaureferent Prof. Herbert Keppel war von Anfang an dabei und viele Jahre bis zu seiner Pensionierung mit dem Aufbau und der Bearbeitung des Sortenerhaltungsgartens betraut.

Ein weiterer Mitstreiter war damals ein Baumwärter aus dem Bezirk Leibnitz, ein gewisser Herr Wuchse, der im extremen Schorfjahr 1972 besonders robuste Apfelsorten in seinem Bezirk sammelte und der Versuchsstation zur Verfügung stellte. Noch heute stehen diese Wuchse-Sorten durchnummeriert im Sortenerhaltungsgarten von Haidegg.

Im Jahr 1988 wurde der gesamte Obstbestand von der Pachtfläche bei Gleisdorf auf die landeseigene Fläche in Wagersbach, Gemeinde Vasoldsberg, übersiedelt. Mit ihren 6,5 ha Ausdehnung ist die ebene Fläche sehr gut geeignet, um die Hochstämme zu pflegen.

Panorama Wagersbach (Foto: Rühmer)

Daraufhin wurde in den Jahren 1991 und 1992 bei weiteren Fragebogenaktionen der Bestand weiter ausgedehnt. Im Jahr 1998 wurde in Hitzendorf (Weststeiermark) ein „Backup“ der alten Sorten angelegt. Die dort gepflanzten Bäume werden gezielt als Edelreiserschnittbäume erhalten und geschnitten, sodass es zu keiner Blütenbildung kommt. Dadurch reduziert man das Risiko eines Feuerbrandbefalls und damit verbunden des Verlusts des sehr wertvollen Pflanzenmaterials.

In den Jahren 1999-2002 wurde gemeinsam mit der Karl-Franzens-Universität Graz ein Projekt zur Bestimmung der alten Apfelsorten abgewickelt. Der älteste Teil des Sortenerhaltungsgartens konnte so mit den damals gültigen Methoden und Standards molekularbiologisch bestimmt werden.

Die letzte Erweiterung des Sortenbestandes fand im Jahr 2002 statt. Dort wurden auch viele alte Birnensorten in das Erhaltungsprogramm aufgenommen. Nach der Pensionierung von Prof. Herbert Keppel habe ich die Erhaltungsarbeit in Haidegg übernehmen dürfen.

In den letzten Jahren ist es gelungen, Edelreisermaterial in Standardqualität für jeden Interessierten verfügbar zu machen. Ab der heurigen Saison werden die Edelreiser einfach über den Haidegger Online-Webshop zu bestellen sein (shop.haidegg.at). Etwa 140 Apfelsorten stehen somit sortenecht zur Verfügung, noch unbestimmte Spezialitäten können weiterhin direkt bei uns bestellt werden.

Sehen Sie hier auch unser Video: https://youtu.be/jjksF7nqzpk

Bei Fragen kontaktieren Sie uns gerne unter:

thomas.ruehmer@stmk.gv.at

0676/8666 6613

www.haidegg.at

Austropom

Austropom

Streuobst für die nächste Generation

Im idyllischen steirischen Murtal liegt der Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen. Und genau dorthin waren Streuobst-Interessierte am Wochenende von 22.-24. Oktober 2021 eingeladen, denn dort fand die erste Austropom unter dem Titel „Zukunft des Streuobstes – the next generation“ statt. Veranstalter war der Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen mit Unterstützung durch Naturparke Steiermark und ARGE Streuobst. Die fachliche Organisation und Betreuung erfolgte durch das Team von OIKOS, Institut für angewandte Ökologie & Grundlagenforschung.

Der Freitag Nachmittag war der Exkursionstag. Dabei wurden Streuobstwiesen aus dem Projekt STROWI (STReuObstWIese) im Murtal gezeigt. Das Ziel des Projektes war die Erhaltung und Neupflanzung von Streuobstbeständen und alten Obstsorten in der Region.

Am Samstag fand eine Fachtagung mit Referent:innen aus dem In- und Ausland statt. Dabei wurde ein bunter Bogen gespannt von unterschiedlichen Zugängen: Wissenschafter:innen, Forscher:innen, Praktiker und Marketingspezialist:innen kamen zu Wort, dabei wurde der Apfel sogar zum „Gesundheitserreger“ erkoren. Beinahe 30 verschiedene Initiativen zum Thema Streuobst hatten die Möglichkeit, sich im Rahmen eines spannenden Speed-Dating-Formats vorzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren.

Umrahmt wurde die ganze Veranstaltung von einer der größten Sortenausstellungen in der Steiermark. Mehr als 600 Apfel- und Birnensorten wurden von Mag. Alois Wilfling und seinem Team von OIKOS zusammengetragen und in der Thomas-Schroll-Halle in Neumarkt ausgestellt. Auch besonders hervorzuheben ist die Wildobstausstellung der Familie Pirc, die ihre Fruchtmuster, die ja zum Teil schon im Mai zu ernten sind, in liebevoller Kleinstarbeit eingefroren hat, um diese bunte Ausstellung der Obstvielfalt zu bereichern.

Sortenausstellungen (Rühmer)

Der Vorstand der ARGE Streuobst nutzte diese Umrahmung, um der langjährigen Obfrau DI Katharina Varadi-Dianat für ihre Arbeit und Verdienste um den Streuobstbau in Österreich zu danken. Sie erhielt als erste die Auszeichnung „Goldener Streuobstbaum“, der in Zukunft an verdiente Persönlichkeiten in der Szene von der ARGE Streuobst vergeben wird.

Verleihung Goldener Streuobstbaum (Rühmer)

Das Abendprogramm gestaltete in humoriger Art und Weise Werner Rannacher vom ORF Steiermark, der aus alter Literatur launige Zitate vortrug und die Mostverkostung vom KühbreinMost gemeinsam mit dem Mostsommelier David Kargl aus der Gaal moderierte.

(Rühmer)

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des öffentlichen Publikums. Zahlreiche Kinder konnten beim Schaupressen dabei sein, ein Schätzspiel mit Verlosung, die gastronomische Verköstigung und nicht zuletzt die musikalische Umrahmung durch die Fuchsbartl-Banda lockten viele Neugierige an diesem spätherbstlichen Sonntag nach Neumarkt in der Steiermark.